Erst das Gäste-WC? Welche fünf Bilder dein Immobilieninserat eröffnen sollten.
TOBIAS KAUPPE
Ein schönes Haus, ein heller Wohnbereich, ein Garten mit Platz. Und das erste Bild im Immobilieninserat? Das Gäste-WC. Kann man machen. Ich würde anders anfangen.
Bei der Bildauswahl geht es nicht darum, möglichst viel hochzuladen. Die ersten Fotos sollen zeigen, was die Immobilie ausmacht. Hier kommt meine Orientierung für die ersten fünf Plätze. Keine Vorschrift. Eher ein kurzer Rundgang ohne Umwege durch den Heizungskeller.
1. Erst das stärkste Motiv. Nicht automatisch die Haustür.
Das Titelbild muss zur Immobilie passen. Bei einem Haus mit besonderer Fassade kann das die Außenansicht sein. Bei einer Wohnung vielleicht der helle Wohnbereich oder die Terrasse mit Aussicht.
Ich würde mich fragen: Welches Bild zeigt am besten, warum sich jemand dieses Objekt genauer ansehen sollte?
Eine schicke Armatur ist dafür meistens zu wenig. Die verkauft schließlich kein ganzes Badezimmer. Geschweige denn ein Haus.
Wichtig: Schau dir das Foto auch klein auf dem Handy an. Ist noch erkennbar, was du zeigen willst? Oder bleibt von der schönen Aufnahme nur ein dunkles Rechteck übrig?
2. Jetzt bitte einmal orientieren.
Wenn das Wohnzimmer den Anfang macht, kann danach die Außenansicht folgen. Startest du mit dem Haus, geht es als Nächstes nach innen. So bekommt man eine Vorstellung davon, was zusammengehört.
Das zweite Foto sollte etwas Neues erzählen. Dasselbe Wohnzimmer einen halben Schritt weiter links ist zwar ein anderes Foto. Viel schlauer ist danach aber niemand.
Du musst dabei nicht den Weg von der Straße bis zur Garderobe nachbauen. Es geht um Orientierung, nicht um eine lückenlose Dokumentation deiner Ankunft.
3. Zeig, wo sich der Alltag abspielt.
Wohnbereich, Küche, Terrasse: Jetzt gehört ein wichtiger Bereich nach vorne, der bisher noch fehlt. Welcher das ist, hängt vom Objekt ab.
Bei einer Familienwohnung kann eine große Wohnküche viel erklären. Bei einem Haus mit Garten vielleicht der Übergang vom Wohnzimmer nach draußen. Ein Foto darf ruhig zeigen, wie man dort leben könnte.
War der wichtigste Raum schon auf Bild eins zu sehen? Dann nimm den nächsten. Die Nummerierung hier ist keine behördliche Anweisung. Zum Glück.
4. Noch mal Wohnzimmer? Lieber nicht.
Spätestens jetzt lohnt sich ein Blick auf die Auswahl: Sehen die bisherigen Bilder ziemlich ähnlich aus? Dann fehlt womöglich eine andere wichtige Seite der Immobilie.
Ein Schlafzimmer, das Bad oder der Garten können jetzt sinnvoller sein als die dritte Sofaperspektive. Nicht, weil diese Aufnahme schlecht wäre. Sondern weil sie gerade wenig ergänzt.
Mein Maßstab: Weiß ich nach diesem Foto mehr über das Objekt? Wenn nicht, darf es weiter nach hinten. Oder ganz raus.
5. Was ist noch unklar?
Nach vier Bildern sollte man schon etwas verstanden haben. Aber vermutlich nicht alles. Genau da setzt das fünfte Bild an.
Die Aufteilung ist noch unklar? Ein gut lesbarer Grundriss kann helfen.
Haus, Garten und Zufahrt lassen sich schwer einordnen? Dafür kann ein Luftbild passen.
Die Küche ist eine Stärke des Objekts, war aber noch gar nicht zu sehen? Dann gehört sie nach vorne.
Die Aussicht macht die Wohnung besonders? Zeig sie – aus einer Perspektive, die tatsächlich zum Objekt gehört.
Es gibt also nicht die eine richtige Reihenfolge für jedes Inserat. Ein Reihenhaus braucht nicht denselben Einstieg wie eine Dachgeschosswohnung.
Falls du beim Grundriss noch zwischen zwei Darstellungen schwankst: Im Beitrag 2D- oder 3D-Grundriss: Was passt zum Exposé? geht es genau darum.
Ein Beispiel. Keine Schablone.
Nehmen wir ein Haus, dessen Stärke der helle Wohnbereich mit Zugang zum Garten ist. Dann könnte der Einstieg so aussehen:
Wohnbereich mit Blick nach draußen.
Außenansicht des Hauses.
Küche als weiterer wichtiger Raum.
Terrasse und Garten.
Grundriss zur Orientierung.
Danach folgen die übrigen Räume in einer nachvollziehbaren Reihenfolge. Nicht Badezimmer, Dach, Küche, Garage und zurück ins Badezimmer. Wer das Haus noch nicht kennt, muss sich sonst alles selbst zusammensortieren.
Wie sich Fotos, Grundriss und Rundgang ergänzen, findest du unter Immobilienmedien sinnvoll kombinieren.
Vor dem Hochladen: einmal kurz aussortieren.
Öffne deine Auswahl auf dem Handy und geh diese Punkte durch:
Funktioniert das Titelbild auch als kleine Vorschau?
Zeigen die ersten fünf Bilder unterschiedliche, wichtige Dinge?
Ist die größte Stärke der Immobilie schon dabei?
Passen die Fotos zur Beschreibung und zum Grundriss?
Sind persönliche Unterlagen, Namen oder andere sensible Details erkennbar?
Und schau nach dem Hochladen noch einmal ins fertige Inserat. Bildausschnitt und Reihenfolge sollten dort ebenfalls passen.
Mein Fazit: Erst das Wichtige. Den Rest danach.
Eine gute Galerie ist keine Sicherungskopie der Speicherkarte. Du darfst auswählen. Du sollst sogar.
Lieber ein klarer Einstieg, der das Objekt verständlich zeigt, als fünf Fotos, die nur beweisen, dass du fünf Fotos hast. Das Gäste-WC bekommt seinen Platz. Es muss nur nicht gleich die Begrüßung übernehmen.
Du planst neue Immobilienfotos in Bonn, Koblenz oder der Eifel? Schreib mir kurz, um welches Objekt es geht. Dann besprechen wir, welche Aufnahmen sinnvoll sind.